Plön, den 30. November 2002
Arbeitsdienst an der Insel Langes Warder


Heute war es nun endlich soweit. Unter Leitung des Inselwartes Uwe Kiel und in Gemeinschaft mit den Betreibern der Großen Plöner See Rundfahrt machten sich heute Morgen 15 Freiwillige daran einen Container voller Steine vom Plöner Segler Verein zur Insel Langes Warder zu fahren. Es galt also: "Wer von Euch ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein"



Die Natursteine hatten teilweise jedoch Außmaße, dass das mit dem Werfen nicht recht klappen wollte. Das Gewicht der Steine war so groß, das die Motorboote Nixe, Karlchen und das Arbeitsschiff der Großen Plöner See Rundfahrt zweimal fahren mussten. Auch das Verladen per Hand aus dem Container mit der Schubkarre bzw. Sackkarre zum Schiff und wiederholte Einladen einzelnd per Hand war schon recht kraftraubend.
Es muss ein recht eindrucksvoller Anblick gewesen sein wie die 3 Motorboote, bis zum Rand mit Steinen beladen, vom Plöner Segler Verein zur Insel fuhren.

An der Insel angekommen mussten dann erst die Belege auf die Vorhandene Brücke gelegt bzw. eine neue Brücke gebaut werden, damit auch die Steine des großen Arbeitsbootes entladen werden konnten. Hierbei kamen zum Ende erste Ermüdungserscheinungen auf und auch der ständige Regen fing an etwas zu nerven. Und eigentlich schien es optisch nur ein Bruchteil so viel zu sein, wie jeder einzelne im Kreuz verspürte.

Als alle Steine wieder einzeln von Bord am Ufer platziert worden waren, ging es an den Rückweg zum Vereinsheim um dort die nächste Fuhre zu laden. Aber nachdem die Motorboote erneut beladen wahren hieß es erst einmal Mittag essen. Die warme Suppe wärmte uns dann alle von innen wieder auf und nach dem dritten Teller hieß es dann wieder hinaus in den Regen, ab auf die Boote und auf zur Insel.

 


Und alles nochmal wie vorhin. Brücke bauen, Steine mit Hand über die Bordwand auf die Schubkarre, zum Ufer und mit Hand platzieren. In der Zwischenzeit machten sich die Jugendlichen daran die Takeltonne zum Schutz vor dem winterlichen Eisgang einzuholen. Dabei wurde dann auch gleich der klägliche Rest an Tonnen des Naturschutzgebietes die sich losgerissen hatten geborgen.

Zum Schluss haben wir zwischen die Steine noch frische, mitgebrachte Zweige gesteckt, von denen hoffentlich einige Wurzel schlagen, und das Ufer stützen werden. Eigentlich reichten die Steine nicht mal aus aber positiv kann man sagen, dass die Wetterschutzhütte nun auch bei Oststurm wieder sicher ist und nicht weiter droht in den See abzusacken.
Abschließend, nachdem wir alle wieder im Verein angekommen waren kann man sagen, dass dem Symbolisch geworfenen Stein noch viele folgten und anscheinend alle Freiwilligen keine Sünder sind, erstrecht keine Umweltsünder.

Wir wollen an dieser Stelle noch einmal allen danken, die ehrenamtlich beherzt und motiviert mit angepackt haben.


Noch ein paar Worte zu den eventuellen Gegnern dieses Projektes und dem Zustand unserer Inseln

Die Kombination aus hohem Wasserstand sowie starken Winden, und dem damit verbundenen Wellengang, hat in den vergangenen 5 Jahren allein an der Insel Langes Warder den Uferstreifen um bis zu einem Meter schrumpfen lassen. Auch andere Inseln wie der Sterin in der Plöner Stadtbucht, der Olsburg und viele weitere sind langfristig bedroht.
Der hohe Wasserstand in den Herbst- und Wintermonaten führt dazu, dass die Wellen mit großer Kraft direkt an die Uferkanten brechen und so den Boden der Inseln auswaschen. Die Kraft ist so stark, das auch das vorhandene Wurzelwerk diesen Prozess nicht aufhalten kann. Es ist zu beobachten, das durch die vergangenen Stürme unverhältnismäßig viele gesunde Bäume auf den Inseln umgekippt sind. Zurückzuführen ist dieses auf den durchweichten Boden, der durch den hohen Wasserstand zunehmend seine Stabilität verliert. Manche der Inseln wie die Sterin befinden sich auch bei normalem Wasserstand nur rund 15 cm über dem Wasserspiegel. In den vergangene Jahren war es häufiger zu beobachten, das die komplette Insel zeitweilig überspült wurde.
Mehrere Inseln sind hierdurch bereits ganz versunken. Die Schilfinsel in der Durchfahrt zum Bischofsee besteht nur noch aus Buschwerk, welches zunehmend keinen halt mehr findet, da es vollständig im Wasser steht, somit nicht mehr zu retten ist und einen dauerhaften Verlust an Lebensraum für die Wasserbewohner darstellt.
An vielen Inseln ist zu beobachten, das ein natürlicher Wellenschutz aus Schilf oder Steinen gänzlich verschwunden ist, bzw. zu tief im Wasser liegt. Der Boden wurde ausgewaschen und das Ufer besteht nur noch aus Wurzelwerk, welches steil ins Wasser abfällt. Der unregelmäßig wechselnde Pegel von bis zu 35cm führen dazu, das im Herbst wenn das Schilf verblüht ist und teilweise abknickt die Stängel der Pflanzen durch den hohen Wasserpegel im Winter voll laufen und absterben. Es ist somit nicht verwunderlich, dass bereits mehrere Projekte zur Neuansiedellung von Schilfgebieten fehlgeschlagen sind.

 Nur aufgrund dieser Tatsachen haben wir diesen Eingriff an der Insel Langes Warder durchgeführt. Jugendgruppen soll es auch zukünftig möglich sein auf dem einzigen Zeltlagerplatz Deutschlands, welcher innerhalb eines Naturschutzgebietes liegt, die Natur kennen zu lernen. Wir haben auch zukünftig nicht vor Eingriffe in die Natur durchzuführen. Unser Ziel liegt gänzlich darin, die Wetterschutzhütte im Nördlichen Teil der Insel zu schützen.
Wir sehen es jedoch an der Zeit das überlegt werden sollte, ob eine unregelmäßige Aufstaung des Sees einen nicht viel größerer Eingriff darstellt, als maßnahmen zur Ufersicherung auf 10 Meter Länge. Die Länge der Küstenlinie und Inselufer des See beträgt weit über 40 Kilometer. Es währe gar nicht möglich diesen laufenden Prozess ernsthaft aufzuhalten, wenn man die Fehler nicht bereits am Anfang vermeiden würde.
Langfristig liegt es wohl in jedem Interesse (auch dem der Natur), das die Regelung des Wasserstandes moderater und umweltverträglicher durchgeführt werden. Dieses Ziel sollten sich die Verantwortlichen in den nächsten Jahrzehnten setzen, denn es gilt die Vielfalt der Natur in, am und auf dem Großen Plöner See zu wahren.


Bericht von: Sebastian Kiel
Bilder von: Hans Vogler