Die Ostseetour 2002 unserer Jugendgruppe

 

 

Die diesjährige Ostseetour unserer Jugendgruppe fand vom 06.- 13.7.02 im Rahmen der Jugendarbeit des PSV statt.

Die große Resonanz der Jugendlichen des Vorjahres hat uns dazu veranlasst, in Zusammenarbeit mit dem SVSH, diesjährig 2 baugleiche Schiffe der Bauart "Bavaria 35" zu chartern um auch einmal mit Booten dieser Größenordnung gegeneinander "Racen" zu können.

 

Die Crew der Alexander bestand aus: Fabian, Felix G., Lina, Klümpchen, Malte, Sebastian und dem Skipper Rolf Jeche.

Die Crew der Ebonita bestand aus:   Wiebeke, Johanna, Sara, Kristin, Felix K., Sabine und dem Skipper Florian Vesting.

 

 

1. Tag: Nach langer Diskusion wann man wohl am Besten zur Übernahme in Heiligenhafen erscheinen soll, entschieden wir uns möglichst früh am Samstag Vormittag nach Heiligenhafen zu fahren, um so schnell wie möglich Segel setzen zu können.

Da sich die Übernahme der Ebonita leider etwas verzögerte, hatten wir genügend Zeit um die besten Kojen zu feilschen. Auch die Übername der Alexander verlief nicht reibunglos, da wir feststellen mussten, dass die Positionslampen nicht funktionierten. Dieses wurde daraufhin aber sofort behoben und auch meine stillen Sorgen verflogen als es hieß, dass beide Boote jeweils einen Spi haben.

Nachdem wir dann später alle Hürden zu Lande überwunden hatten und auch die Ebonita klar war motorten wir aus Heiligenhafen raus um die Segel zu setzen. Da stellten wir fest, das die Ebonita die Genua gesetzt hatte. Mit rund 7,5 Knoten war sie beträchtlich schneller als wir mit der normalen Fock, so wollten wir mal "kurz" die Fock wechseln. Nachdem wir das Manöver, welches knapp 45 Minuten dauerte beendet hatten, mussten wir einsehen, dass so eine Rollfock auch Nachteile hat wenn sie einmal nicht "rollt".

 

Am Abend befand sich die Ebonita weit in Führung und der Wind ließ stellenweise so sehr nach, dass wir uns dazu entschieden Kartoffeln zu kochen, um sie dann mit viel Zaziki zu verspeisen. Die anderen hatten mitlerweile die Nerven verloren und motorten, während wir versuchten weiter zu segeln und es immerhin auf knapp 5 Knoten brachten. Vieleicht lag es daran, dass wir nur eine Stunde später in Warnemünde einliefen, nach längerer Suche einen Liegeplatz fanden um dann die "City" unsicher zu machen.

 

 

2. Tag: Heute Morgen begrüßte uns ein wunderbares Wetter als wir erwachten und als Rolf dann noch merkte, dass wir für ihn Kaffee mitgenommen hatten, konnte eigendlich nichts mehr schiefgehen. Wir setzten dann um etwa 10 Uhr die Segel und fuhren wieder hinaus aufs Meer.

Wir hatten uns für heute das Ziel gesetzt nach Rügen zu segeln, was sich später aufgrund der Windlage aber als unmöglich bzw. Nachtfahrt herausstellte. So beschlossen wir bei guten 3 bis 4 Windstärken und gemütlcher Welle nach Vitte auf Hiddensee zu segeln.

 

Am Nachmittag haben wir dann das erste Mal den Spinnacker gesetzt und stellten fest, das er doch leicht überdimmensioniert war. Sara, die auf der Ebonita fuhr sagte später, dass es eher eine Art CHRISTO-SPI ist, mit dem man ganze Schiffe verhüllen könnte.

Leider war unser Mast ca 2 Meter zu niedrig, und der Spibaum nur halb so lang wie wir ihn benötigt hätten um einen Vorteil daraus ziehen zu können und so rissen wir uns aus Unmut darüber in einer Halse auch noch gleich das Großsegel kaputt, welches sich in der Saling verklemmte.

Naja Rolf meinte, dass das mit dem Segel nicht so tragisch ist und deshalb genossen wir das Gefühl mit gut 7  Koten zügig durchs Fahrwasser nach Vitte einzulaufen.

Bis... ja bis Felix mal wieder meinte in spontanem Jubel ausbrechen zu müssen, woran ihn diesmal jedoch der Großbaum zu hindern versuchte und es ihn mit Gewalt wieder zurück ins Cockpit warf. 

Auch dieses Jahr brauchten wir wieder den Erste-Hilfe-Kasten aber der Arzt gab wenig später Entwarnung. Zum Glück nur eine Platzwunde, was 2 cm neben dem Auge aber auch hätte schief gehen können.

 

 

3.Tag: Auch heute morgen sorgte der Wetter-Gott wieder für schönstes Segelwetter. Der Wind hatte auf 4 bis 5 aufgefrischt und dementsprechend erwartungsvoll saßen wir am Frühstückstisch.

Nachdem wir dann ausgelaufen waren setzten wir alle Segel, um den Versuch zu wagen nach Bornholm zu segeln. Darüber war die Crew der Ebonita "not very amused", was Rolf und ich denen jedoch schmackhaft machen konnten.

Wer würde bei rund 5 Windstärken, einer Welle von maximal 1,5 Metern und rund 7 Knoten über Grund das nicht wollen ?

Aber es wurden nur insgesamt 4 Personen temporär Seekrank, was sich für den Rest der Crew ja als eher positiv herausstellte, da sie ja keine leckere Schokolade oder Keckse essen wollten.

 

Und endlich hatten wir es geschafft, die Alexander ging vor der Ebonita in Führung und fuhr suverän vor den Anderen in "Rönne" auf Bornholm ein. Aber auch ich musste feststellen, das 5 Stunden konzentriertes am Wind segeln an den Kräften zehrte und überließ Rolf das Anlegemanöver. Wir wissen nun auch warum diese Kattamaranfähren "SuperFast" heißen, die pflügen nämlich mit 90 Stundenkilometer durch die Ostsee.

Als wir dann fest vertäut waren stellten wir fest, dass die Ebonita uns nicht in den Hafen gefolgt war, sondern einen nördlicheren angelaufen hatte, was unter den Betreuener für reichlich Unmut sorgte.

 

 

4. Tag: Heute morgen haben Rolf und ich Uns dann auf den Weg gemacht einen Segelmacher zu finden, der uns unser Großsegel wieder repariert, welches die Saling ja "angeknabbert" hatte.

Ein sehr netter alter Segelmacher reparierte dann unser Segel, während die Crew die Stadt unsicher machte.

Später gingen wir quer durch "Rönne" um mit der Ebonita den weiteren Verlauf unseres Segeltörns abzusprechen, da unser Funkgerät einen Wackelkontakt hatte.

 

Als wir das Segel dann am frühen Nachmittag repariert wieder abholten konnte die Reise fortgesetzt werden und wir verließen Bornholm.

Es war ein wunderbarer Wind, gute 7 Windstärken, Raumschots mit Großsegel und Genua das ging ab...

Leider ließ der Wind immer kontinuierlicher nach und der Skipper des Ebonita fragte gegen Nachmittag an, ob wir unser Tagesziel auf  "Ystad" in Schweden verlegen sollten, dem wir dann zustimmten.

Mitlerweile war der Wind fast eingeschlafen und wir entschieden uns dazu den Rest der Strecke zu motoren.

 

 

5. Tag: Für den heutigen Tag hatten wir uns vorgenommen eine kurze Etappe zu segeln, damit man auch noch etwas von der Stadt hat. Dementsprechend später sind wir dann bei leichtem Wind und Sonnenschein ausgelaufen.

Eine sehr interessante Erfahrung hatten wir auf halber Stracke zwischen "Ystad" und dem "FalsterBo-Kanal". Ich versuchte immer auf Kompasskurs zu bleiben und behielt nur den Kompass im Auge, ohne auf den Horizont zu blicken. (natürlich habe ich vorher nachgeschaut ob irgendwo noch andere Schiffe sind). Auf einmal musste ich immer stärker gegensteuern und als ich aufschaute merkte ich, dass ich nicht mehr parallel zu Küste, sondern genau drauf zu fuhr. Was war denn nun mit dem Kompass los ?

10 Sekunden später hatte sich der Spuck gelegt und ich versuchte herauszufinden wie das wohl möglich war. Ein Blick in die Seekarte zeigte später, dass wir über ein großes Seekabel gefahren sind, welches ein starkes Magnetfeld hat. Ein komisches Gefühl wenn man nicht mehr weiß wo Norden ist.

 

Außer diesem Vorfall war es ein sehr ruhiger Törn und wir erreichten dann am Nachmittag den "Falsterbo-Kanal" hinter dem unser Zielhafen für den heutigen Tag lag.

Am Abend, nachdem sich (fast) alle im Wasser einmal abgekühlt hatten, grillten wir dann auf der Mole und legten uns sehr, sehr, sehr spät schlafen.

 

 

6.Tag: Vieleicht lag es ja an dem wenigen Schlaf den alle diese Nacht bekommen hatten, oder dem Unwetter was sich des Nachts austobte. Auf jeden Fall kursierte am morgen eine akute "Segel-Unlust" und wir beschlossen einen Hafentag einzulegen.

Dieser kam auch dadurch zustande, dass dem beigelegten Kartensatz eine Karte fehlte, welches genau die war um den nächst geplanten Hafen anzulaufen.

 

Der größte Spaß am heutigen Tag, war das Pfannkuchen machen am Abend. Es stellte sich als gar nicht einfach heraus nur mit einer Gabel bewaffnet den Teig anzurühren, ohne das sich Klumpen bildeten. Sogar Rolf lernte dazu wie wenig man brauchte und wie "einfach" es ist Pfannkuchenteig herzustellen.

Und als es dann die Pfannkuchen alá Insellager gab war die "allgemeine Segellust" wieder gestiegen. Obwohl ich mir eingestehen muss, das man die Insellager-Pfannkuchen wohl nicht kopieren kann.

Wir beschlossen den nächsten Tag früh aufzubrechen um bei Sonnenaufgang auszulaufen, damit wir noch "Kopenhagen" erleben können.

 

 

7. Tag: Heute morgen sind wir "sehr" früh aufgestanden (manche nur zeitweilig) und sind um 5 Uhr in der Früh ausgelaufen. Bei einem leichten Lufthauch von knapp 2 Windstärken setzten wir die Segel. Der Wind jedoch schlief wenig später gänzlich ein und wir ärgerten uns, warum wir bei dem guten Wind gestern nicht gesegelt waren.

Wir entschieden uns also dazu zu motoren und fuhren Richtung Kopenhagen, querten das Fahrwasser des "Öresund" um dann schnurstracks in ein Treibnetzfeld zu fahren was wir durch den leichten Nebel jedoch nicht sofort bemerkten. 

Wir fuhren also langsam weiter, beobachteten den regen Flugverkehr der startenden und landenden Maschinen um dann der bekannten Siluette der Windräder druch die schicksalhafte Hafeneinfahrt (siehe Bericht letztes Jahr) in den Hafen an der Ostseite druch die alten Grachten zu fahren um dann dort festzumachen.

Mitlerweile war es 11 Uhr am Vormittag und nach einer kurzen Moralpredigt schwärmten alle aus um etwas von Kopenhagen zu sehen.

 

Als dann am Abend alle an Deck saßen und ihre Bratnudeln futterten war es sogar mal kurz ruhig, bevor sich wieder alle darüber austauschten, wo sie gewesen waren und was es zu erleben gab.

Später am Abend haben wir dann noch alle mit einem Gläßchen Sekt auf die erfolgreiche Tour angestoßen.

 

 

8. Tag: Der Tag des Abschieds ist gekommen. Wie alle Tage auf unserer Reise hat uns das Wetter auch heute nicht im Stich gelassen. Nach einem ausgibiegen Frühstück machten sich alle? daran das Schiff für die Übergabe auf Vordermann zu bringen.

 

Als wir dann gegen Mittag fertig waren und all unsere Klamotten und sonstigen Müll aus dem Schiff entfernt war, kam auch der erste Wagen der neuen Crew an. Die Sachen wurden umgestapelt und die Ebonita übergeben.

Rolf machte sich dann mit dem ersten Teil der Besatzungen auf den Weg, und als wir wenig später auch die Alexander übergaben, und unsere ganzen Sachen umgeladen waren, machten auch wir uns ca 1 Stunde nach den Anderen auf den Heimweg.

Es ist garnicht so einfach ohne Karten den Weg aus Kopenhagen zu finden, aber wir haben es geschafft und fuhren Kurs "Rödby".

Kurz vor Rödby, als wir gerade ein Überhohl "Manöver" durchführten sahen wir ca. 200 Meter voraus ein Polizeiwagen auf der Überhohlspur stehen und mussten voll in die Eisen gehen. Die ganze Autobahn war wohl erst seit kurzem wegen eines Unfalles gesperrt worden und wir waren erleichter, dass der erste Teil der Mannschaft schon eine Stunde früher als wir losgefahren waren und wohl nicht in diesem Stau steckten.

 

Doch wie sehr hatten wir uns geirrt, als wir sie auf den Wartespuren für die Fähren wieder entdeckten. Sie waren mitten drin gewesen, hatten jedoch viele, viele Schutzengel und bis auf eine Delle im Wagen keinen körperlichen Schaden davongetragen. "Nur" viele Albträume.

 

Wir sind sehr froh, das der Unfall für unsere Jugendlichen so glimpflich abgelaufen ist und sich alle wieder gut erhohlt haben. Unser Dank geht neben den vielen Schutzengeln aber auch an jene, die diese Ostseetour erst möglich gemacht haben und nicht zuletzt an die beiden Skipper Rolf Jeche und Florian Verstin.

 

 

Danke Rolf

Danke Florian

 

 

Bericht von Sebastian Kiel