Die Ostseetour 2001 unserer Jugendgruppe



Ein bisschen Spaß muss sein...

Die diesjährige Ostseetour unserer Jugendgruppe fand vom 25.- 31.8.01 im Rahmen der Jugendarbeit des PSV statt. Unser Segelboot "Alexander" von der Bauart "Bavaria 35" haben wir am Mittag des 25.8. im Dänischen Middelfad von unserer Vorgängercrew übernommen. 

Unsere Crew bestand aus: Klümpchen, Sara, Sabine, Wiebeke, Johanna, Martin, Jacob und Sebastian. Unser Skipper war Rolf Jeche.

 



 1. Tag: Schon als die Regattasegler die "Alexander" im Hafen von der Brücke aus begutachteten folgte die Ernüchterung: "Das Schiff hat ja ne' Rollfock", und laut Aussage der Vorgängercrew nur 2 Focks. 

Das war zu viel. Keine Fockwechsel und verschnürte Vorsegel verschiedener Größen an der Backbord- und Steuerbordreling, die im Stundentakt fliegend gewechselt werden um die Maximalgeschwindigkeit um jeden Preis zu halten. Ebenso nur 1 Spi mit unter 100 Quadratmeter. 

Kein 3 Spi's mit bis zu 210 Quadratmeter und keine 5 Vorsegel, die in den Vorjahren auf der "Schleswig Holstein" zur Verfügung standen. Auf diesem (alter) Cupper, welcher dem SHSV im letzten Jahr noch zu Verfügung stand, war das Segelleben auch eher Spartanisch. Es kam aber ein weitaus größeres "Regattafeeling" herüber, welches bei dem ersten Blick in die Bavaria 35, mit vollem Holz-Innenausbau, etwas Wehmut hervorrief.

 

Nachdem die "Schlacht" um die Besten Kojen entschieden waren, wurden die (Über)-Lebensmittel und Segelklamotten verstaut und die Crew drängte  möglichst schnell den Hafen zu verlassen um endlich die Segel zu setzen. 

Nachdem wir aus Middelfad ausgelaufen waren fuhren wir bei Windstärke 2  und Raumen-Wind auf die Ostsee hinaus und setzten Kurs Samsö. Leider schlief kurz darauf der Wind ein, und eine leichte Rückenströmung drückte uns langsam mit 2 Knoten voran. Nun war erst einmal abwarten angesagt, und die Crew verstreute sich auf dem Deck um bei Sonnenschein und fast 30 Grad C. zu relaxen. Am späten Nachmittag kam dann doch wieder Wind auf, und wir erreichten bei Sonnenuntergang den Südhafen auf Samsö.

 

 

 

Man kann jedes Boot vorwärtspumpen !!!.



...

2.  Tag: Heute Morgen sind wir bei Sonnenschein und Windstärke 2 bis 3 um etwa 10 Uhr ausgelaufen, mit dem Tagesziel "Helsingburg". Wobei uns aber von vornherein klar war, das die 85 Seemeilen nur bei optimalen Wind zu schaffen sind. 

 

Dieser verließ uns jedoch um die Mittagszeit und es zog ein Gewitter auf, welches glücklicherweise nur in einen etwa 8 Seemeilen entfernten Tanker einschlug und nicht in unseren Mast. Um unseren Zeitplan einhalten zu können, motorten wir erstenmal weiter, bis wieder Wind aufkam und wir die Segel setzen konnten.

 

Nach und nach kam nun wunderschöner Segelwind auf, der uns mit Windstärke 4 und 6 Knoten unserem Ziel näher brachte. Da wir jedoch das Tagesziel nicht mehr im hellen erreichen konnten, und der Sund eine stark befahrende Wasserstraße ist, fuhren wir den Hafen in "Gilleleje" an um dort festzumachen.

 



3. Tag:  Endlich haben wir ordentlich Wind. Heute Morgen fuhren wir um etwa 11 Uhr aus "Gilleleje" aus. Uns erwartete eine 1,5 Meter Welle, die wir Raumschot's unter gerefftem Groß und ohne Fock mit über 9 Knoten heruntersurften. P.S.: Über Grund sogar 10 Knoten. 

 

Einigen der Crew fingen erneut an mit ihrem Frühstück Bekanntschaft zu machen. Ihre Mine änderte sich erst, nachdem wir Helsingör passiert hatten und die Wellenhöhe abnahm. 

 

 Später nahmen wir Kurs auf Kopenhagen  und nachdem wir kurz vor dem Hafen eine kleine Bekanntschaft mit einer "Superfast" Katamaranfähre und dem ungeplanten Schuhüberbordmanöver des Skippers in der Hafeneinfahrt gemeistert hatten, fuhren wir um 16 Uhr im Rundhafen in Kopenhagen ein. Doch die Ungeplanten Ereignisse sollten sich noch häufen,.

Unsere Ruderanlage hatte doch glatt versucht einen Festmacher für sich zu beanspruchen, wovon wir sie im Laufe des "Anlegemanövers" jedoch abbringen konnten.

 

Jacob und Martin machten das unmögliche war und setzten sich mit dem Abwasch auseinander.



Segelschoner "Tecla"

4. Tag: Noch etwas verschlafen verließen wir den Kopenhagener Rundhafen, setzten die Segel und fuhren weiter Richtung Süden den Sund hinab. Obwohl der Hafenmeister 6 bis 7 Windstärken ansagte, erwarteten uns 9, in Böen bis zu 10 Windstärken. Worauf unser Schiff nur unter Sturmfock mit Geschwindigkeiten bis zu 8 Knoten bei halbem Wind, und Schräglage bis die Ostsee im Cockpit stand, dankte. 

Wir sind jedoch der Meinung, das die Welle von bis zu 3 Meter Höhe wohl den Ausschlag zur eher gedämpften Meinung über das vorangegangene Frühstück verhalf. 

Als wir dann am Nachmittag im nächsten Hafen eingelaufen waren wurden wir von den anderen Seglern, von denen niemand an diesem Tag den Hafen verlassen hatten, erst einmal in Augenschein genommen. Geradezu ungläubig starrten sie uns an.

Auch die "Tecla", die uns kurz hinter Koppenhagen überholte fanden wir im Hafen liegend wieder.



5. Tag: Das schwere Wetter hat sich gelegt und nachdem Martin auf dem Vordeck durch den Fall in ein offenes Luk für den Einsatz des Erste-Hilfe Equipment sorgte, konnten dann auch die Segel gesetzt werden. 

Bei etwa 1 bis 2 Windstärken holten wir die Segel ein und setzten den Spi. Der Ausblick auf die Kreidefelsen war das wohl schönste Naturereignis auf unserer Tour.

Die Geschwindigkeit fällt unter 4 Knoten und wir werfen eine Schleppleine aus, damit man sich bei der Hitze durch das Hinterherziehen etwas abkühlen kann. Selbst für die Sportlichsten unter uns, war es zu ihrem Erstaunen schwer, bei nur 2 Knoten ohne sich an der Leine festzuhalten hinter dem Boot herzuschwimmen.

Am Abend machten wir dann in einem Hafen fest, der so klein und flach war, das kein anderes Schiff unsere Größe noch hätte Platz finden können. Auch wäre es kaum in einem anderen Hafen möglich gewesen direkt vor dem Schiff auf der Mole zu grillen.

Die beeindruckenden Kreidefelsen an der Ostküste Mön's.



schnarch---razzzzz...

6. Tag: Heute Morgen sind wir bei Sonnenaufgang losgefahren, um Kurs auf den Goldborgsund zu nehmen. Nachdem wir etwa 1 Stunde motorten und auf Wind warteten, kam er dann doch und wir setzten volles Zeug um zügig voranzukommen. 

 

Als wir um die Mittagszeit unter Motor in Guldborg einliefen, und der 2. Teil der Crew erwacht war, wurde erst einmal ausgiebig geduscht und zum Frühstück ein Pölser oder ein Eis gegessen.

 

Die Fahrt durch den Guldborgsund hatten wir uns teilweise einfacher vorgestellt, und als der Tiefenmesser unter 1,5 Meter (Unserer Tiefgang) fiel, begann das Pokern, wie hoch wohl das Seegras sei. Trotzdem hatten wir keinerlei Grundberührung und nach verlassen des Sundes wurde der Spi gesetzt, um dann mit 8 Knoten Richtung Burg auf Fehmarn zu steuern.

 



7. Tag: Der letzte Tag an Bord ist angebrochen und wir liefen um etwa 11 Uhr aus Burg-Tiefe aus. (An dieser Stelle herzlichen Dank an den Hafenmeister, der uns als Jugendgruppe eingeladen hatte und uns damit die Hafengebühr erlassen hat!!!)

Nachdem wir den Hafen verlassen hatten, setzten wir wieder Spi, und zogen an einer Flotte von Chartaschiffen vorbei, und unter der Fehmarnsundbrücke hindurch. Dort legten wir einer perfekte Spihalse hin, sodass sich selbst die anderen Skipper umschauten. 

Nachdem wir nun in Heiligenhafen eingelaufen waren, fingen wir an, das Schiff zu entladen, zu reinigen und die gefahrenen Meilen zu errechnen. Es waren rund 305 Seemeilen in 7 Tagen. Welches wohl nicht zuletzt an unserem Skipper lag, der sich immer im Hintergrund gehalten hat und uns die Entscheidungen über Tagesziele, Navigation und Manöver hat treffen lassen. Wobei er immer mit Rat und Tat hinter uns stand.

Danke Rolf

Es gibt nur wenige Skipper die bei diesem Durcheinander an Bord so tun können, als ob sie sich wohlfühlen.



Bericht und Bilder von Sebastian Kiel