AUSREDEN

Geben wir es doch einfach zu: Vollkommen sind wir alle nicht. Wir stehen daher auch nicht immer zu unseren vermeintlichen Schwächen, Versäumnissen und unerfreulichen Macken, die einem mehr oder weniger von einigen unserer Mitmenschen unter die Nase gerieben werden. Seien es die Partner, Vorgesetzten oder Vorsitzenden.
In dieser Zwangslage haben wir die Kunst der Ausreden entwickelt: Weißt du, die neue Segelkameradin sah so traurig drein, weil sie so allein war, und darum musste ich mich etwas länger um sie kümmern, verstehst du? Und der Klassiker für Pressebeauftragte: Mich hat ja wieder keiner informiert, wir müssen endlich mal über unsere Kommunikationsstrukturen reden! Oder eine beliebte Ausrede der Deutschen Bahn: Eine unvorhergesehene Jahreszeit namens Winter ist Schuld an den zahlreichen Ausfällen und Verspätungen in unserer Region. Auch die seglerische Berichterstattung über die Arendseer Segler in der Arendseer Zeitung langte kräftig in die Ausredekiste während der Int. IDM der H-Jollen 2005 mit der Schlagzeile(tsc):
PLÖN KEIN GUTES SEGELPFLASTER. „Wir wollten gerade um die Boje segeln, da kam eine heftige Böe der Windstärke NEUN ? und hat unser Boot entschärft!“ So die Aussage von Vater und Sohn . Woran lag es nun wirklich, fragt sich jeder Außenstehende bei so vielen unbeschadeten Teilnehmern und Booten. Andere Journalisten einer Regionalzeitung versagten uns die Teilnahme an einer Regattabegleitfahrt wegen Zeitmangel (im „Sommerloch“)!
„Wi hebbt Schiss bi düssen Wind“ hätte doch gereicht, oder?
Wenn man es genau betrachtet, ist die Ausrede etwas Verwerfliches. Sie ist einfach nur die hübschere Schwester der Lüge.
Während meiner Dienstzeit bei der Bundeswehr wurden von vielen Kameraden zur Erlangung eines Sonderurlaubs ältere Verwandte totgesagt. Bei so einer Vielzahl von angeblich Verstorbenen brauchte sich Herr Müntefering um die Rentenkasse keine Sorgen mehr zu machen.
Gesellschaftlich gesehen ist die Ausrede eine schiere Notwendigkeit. Ohne sie müssten die Menschen ehrlich mit sich und den anderen sein. Gehen wir damit das Risiko ein, dass es eher zu Zerwürfnissen, Scheidungen und heftigsten Auseinandersetzungen führt? Habt ihr schon einmal die Reaktionen eurer Vorgesetzten (Lehrer) bei einer Ausrede erlebt? Wie gereizt sie reagieren, weil sie alle Ausreden kennen und auch praktizieren? Ausreden sind der Renner, sie zu entlarven ist etwas für Könner und haben Tradition, ist fast so etwas wie Mund-zu-Mund-Beatmung(ganz leise, aber nicht weitersagen).
Is` was? Wie sieht es aus in der Beziehung Eltern, Kids und Jugendbetreuern?
Wie bekommt man es hin zwischen Schule, Ballett, Reiten und Segeln?
Nur mit hausgemachtem Stress, Halbherzigkeit und Ausreden?

Eine der beliebtesten Ausreden der Kids dem regelmäßigem Segeltraining oder anderen Aktivitäten fern zu bleiben ist die Einladung zu einem Geburtstag vor zuziehen. Irgendwann in einem Wortgeplänkel platzt es dann heraus: „Das war voll krass letzte Woche mit den Mountain-Bikes in der Sandkuhle“! Dumm gelaufen, oder?
Bei übermäßigem Gebrauch der Ausrede weckt man sehr schnell den Verdacht auf mangelndes Organisationsvermögen bis hin zur Kopflosigkeit und mangelndem Profil. (bei Reifen gesetzlich vorgeschriebene Tiefe 1,6mm, danach werden sie weggeschmissen oder runderneuert). Der Abrieb macht`s und führt leicht zu unvorhergesehenen Ausrutschern. Um auf der Weiterfahrt mit der Ausrede in einer geraden Spur zu bleiben, rate ich im Denken und Handeln zur Runderneuerung.
Erlebt am PSV-Hafen im Sommer 2005:
Er und Sie auf ihrem Jollenkreuzer kamen auf den Hafen zu . Blauer Himmel, strahlender Sonnenschein, leichte Brise aus Süd-Ost,ca.18:00 MEZ. Traumhaft! Es kam ein wenig Bewegung in die Besatzung nach einem Kommando des Skippers. Die Rollfock wurde eingerollt, der Aufschießer und das Niederholen des Großsegels klappte natürlich mit den nicht zu überhörenden Kommandos des Skippers. SIE wurde mit klaren Worten mit dem Bootshaken nach vorn zum Bugkorb beordert. Um dem Boot noch etwas mehr Fahrt zum klaren Einlaufen in den Hafen zu verleihen zog er noch einmal an der Fockschot, wie geplant zog das Boot an, musste bei der Einfahrt fast in den Wind, Fockschot verhedderte sich an einem Dalben, Boot lag quer im Hafen, SIE halb im Wasser, ER wurde immer lauter. Zum Glück ist alles heil geblieben, nur die angekratzte Eitelkeit des Skippers nicht. An Land gab es anschließend dann mit einem riesigen Wortschwall die harsche „Manöverkritik“ des Skippers: Natürlich – wer war schuld an dem Debakel- SIE; denn das Vorsegel zu bedienen ist immerhin noch die Aufgabe der Vorschotfrau. Und ER meinte, damit wäre ER aus dem Schneider! SIE meint: „Das war das letzte mal mit Ihm“! Und das habe ich von Ihr bestimmt nicht das letzte mal gehört!
  Ja, ja die besten Ausreden sind die, an die man selbst zu glauben beginnt.

Und die Moral von der Geschicht`,
Mit der Wahrheit schläfst Du besser,
nur mit der Ausrede nicht!!!

Es wünschen ein ausredefreies Wochenende

Sebastian Kiel und Hans Vogler

Kommentar: Hans Vogler, teilw. SZ

Autor: Hans Vogler
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Letzte Änderung am 16. Februar 2006