Plön, den 25.11.2004

  Aufklärung


aufklärung

Meine Fragen an den Leiter des Umweltschutztrupps der Polizeiinspektion Plön, Herrn Oberkommissar Jens Friedrich, waren von mir ganz einfach gestellt und wurden von ihm sehr ausführlich, hoch interessant und informativ für alle Wassersportler und Angler rund um unseren Grossen Plöner See beantwortet.
Überzeugen Sie sich selbst:

H.V.: Herr Friedrich, ich möchte folgende Fragen, die mir in den letzten Monaten von unseren Mitgliedern, Gästen und Passanten der Eutiner Strasse gestellt wurden an Sie weitergeben:
  • Was macht die Polizei denn hier? Noch drastischer:
  • Was haben die Bullen hier zu suchen? Was ist passiert?
  • Und jetzt die konkreten Fragen an Sie: Wie sind Sie zu dem Boot gekommen?

J.F.:  Seit etwa 5-6 Jahren war die Wasserschutzpolizei nicht mehr für die Binnengewässer zuständig und wurde der Schutzpolizei übertragen.
In der Zwischenzeit erhielten wir Hilfe vom technischen Zug der PDAFB (Polizeidirektion für Aus- und Fortbildung Eutin).
Aber auch auf diese Kollegen
kamen immer mehr Einsätze zu, sodass immer häufiger zugesagte Streifeneinsätze abgesagt werden mussten. Mit diesem Argument war es uns möglich, die ersehnte Unhabhängigkeit die dringend erforderlich war, zur schnelleren Erfüllung unseres Auftrages zu gelangen.
Wir sind der einzige Umweltschutztrupp Schleswig-Holsteins, der über ein separates Boot mit „grünen Polizisten“ verfügt.

Und darauf sind meine Kollegen Polizeiobermeister Torsten Scheibner und Bodo Nürnberger und auch ich sehr stolz.
Es ist in der heutigen Zeit der knappen Kassen sehr schwierig, so ein Vorhaben durchzusetzen. Ohne den zusätzlich hohen persönlichen Einsatz  der Kollegen und ihren herausragenden Fähigkeiten – POM Scheibner ist u.a. in Motoren- und Schiffskunde ausgebildet- das Boot kann demnach von uns selbst gewartet werden.
Alle Bootsführer verfügen selbstverständlich auch über die erforderlichen Bootsführerscheine.
Dieses Vorhaben war auch bei der Verwaltung nicht leicht „durchzudrücken“. Folgekosten mussten kalkuliert werden und es musste auch haushaltsmäßig abgesichert sein. Die „richtige Bekleidung“ und Ausrüstung musste angeschafft werden. In erster Linie der Sicherheit und Gesundheit wegen, aber es sollte alles auch einen sinnvollen Vorzeigecharakter beinhalten.
Zuständig sind wir als Umweltschutztrupp der Polizei Plön und des Polizei-Bezirksreviers Plön angesiedelt. Wir haben sehr viele Speziallehrgänge absolvieren müssen. Angefangen beim Abfallrecht über Immissionsrecht  bis hin zum Tierschutz. Die meisten Aufgaben finden wir auf dem Lande.
Unser Einsatzgebiet auf dem Wasser sind die Binnenseen des Kreises Plön Schwerpunkt ist der GROSSE PLÖNER SEE und der KLEINE PLÖNER SEE mit dem SCHWENTINEVERLAUF, verstärkt in den Sommermonaten, wenn der Tourismus Hochkonjunktur hat.
Mit der freundlichen Unterstützung des PLÖNER SEGLERVEREINS haben wir die Möglichkeit, auf Ihrem Grundstück unser Boot problemlos einzusetzen und unsere Fahrzeuge während unserer Wasserstreife sicher zu parken.

Zuständig sind wir für alles, was auf dem See anfällt. In erster Linie für Straftaten, bei denen wir einen Verdacht z. B. zum Schwarzangeln, unerlaubtes Einbringen von Schadstoffen nach §163 StPO haben wir den Auftrag, diese Straftaten zu erforschen und zu verfolgen. Dann haben wir noch das grosse Gebiet der Strafnebenrechte, d.h. wir sind u. a. zuständig für die Einhaltung von Naturschutzgesetzen. Wir haben hier am und im Grossen Plöner See Natur- und Landschaftsschutzgebiete, die auf der Seekarte bzw. in der offiziellen Landkarte eingetragen sind. Und dort gibt es bestimmte Auflagen, die einzuhalten sind, beispielsweise das Befahren und das Betreten . Es gibt auch dort z. T. zeitliche Einschränkungen. Wir haben hier Seeadlerschutzgebiete, die auch betroffen sind. Leider haben wir das Problem, das häufig Kanutouristen und unwissende, auswärtige Wassersportler, die sich hier nicht auskennen, immer wieder in die ausgewiesenen Schutzgebiete einfahren und daher auch die Seeadler während der Brutzeit stören. Wir konnten in diesem Jahr einige Personen, die alkoholisiert-lärmend auf einer Insel Zelte aufstellten, daneben
einen Pavillon aufbauten, unter dem sich auch noch Platz für Fassbier fand.
Das hatte selbstverständlich Folgen in Form von Anzeigen in Verbindung mit den von den zuständigen Behörden ausgestellten Bußgeldbescheiden. Die beliefen sich so zwischen 50-100 EUR pro Person. Das war kein Abenteuer, sondern ein teurer Abend. In ähnlichen Fällen konnten wir auf Grund unserer Unabhängigkeit im Einsatz zum Erstaunen der Betroffenen schnell eingreifen.
Beim Eingreifen von kleineren Ordnungswidrigkeiten verteilen wir unsere Flyer, die gerne angenommen werden. Unsere mündlichen Ermahnungen werden in der Regel verständnisvoll aufgenommen, aber auch die schützen nicht vor den unangenehmen Folgen eines Bußgeldes.
Der Erfolg bei diesen Maßnahmen
lässt uns auf Besserung hoffen.
Ich sage es noch einmal in aller Deutlichkeit: Mit den echten Wassersportlern gibt es überhaupt keine Probleme. Anders sieht es bei den Freizeitsportlern aus, die sich eben mal ein Kanu ausleihen, in Gruppen einen Betriebsausflug machen und unter Alkoholeinfluss nicht einmal vor dem Betreten von Privatgrundstücken und Naturschutzgebieten halt machen, sondern auch noch ihren Müll verteilen.
Diese Menschen, die so negativ auffallen, müssen einfach zur Einsicht auf dem Wege von Anzeigen und Bußgeldbescheiden gebracht werden. So etwas passiert immer wieder zum Verdruss der Freizeitsportler, die bei Ihrer Naturtour pur nur ihre heile Umwelt störungsfrei mit ihren Familien genießen wollen. Und dazu zählen  zum Glück die meisten Freizeitsportler. Jeder Wassersportler kennt die zehn goldenen Regeln zum Befahren unserer Seen. Wir haben in diesem Jahr keine Probleme mit den Seglern gehabt. Im Gegenteil, man grüßt sich auf dem See und gegen einen kleinen „Klönschnack“ ist auch nichts einzuwenden.

H.V.: Herr Friedrich, haben Sie noch Wünsche an die Mitglieder der Vereine rund um den See?

J. F.: Man sollte es einfach mal folgendermaßen sehen: Wir haben im Sommer diesen Jahres angefangen und mussten uns erst einmal zurechtfinden. Die ganze Logistik musste aufgebaut werden. Die Einsatzstellen machten wir ausfindig und letzlich mussten die Behörden über unsere bevorstehenden Aufgaben in Kenntnis gesetzt werden und dass wir über so ein Einsatzmittel überhaupt verfügen. Sie sprachen unsere Wünsche an. Wir möchten gerne mit Ihnen und Ihren Mitgliedern und selbstverständlich auch allen anderen Vereinen bei dem einen oder anderen Treffen gegenseitigen, lockeren Erfahrungsaustausch betreiben.
Aufgabenzuweisung zu unserem Einsatzmittel Boot „DITHMARSCHEN“.
  • Durchführung von Schwerpunktkontrollen auf den Seen des Kreisgebietes Plön.
  • Überwachung der Natur- und Seeadlerschutzgebiete.
  • Überwachung der Landschaftsschutzgebiete.
  • Durchführen von Kontrollmaßnahmen auf den Gewässern, d. h. in Bezug auf Wassersportler. (Näheres wird noch erfragt)
  • Präsenzstreifen auf den Gewässern.
  • Das Boot darf nur von eingewiesenen Kräften geführt werden.

H. V. :
Böse Zungen behaupten, dass Sie sich auf dem See „einen schönen Lenz machen“. Was ist dran an dieser Behauptung?


J. F. : (lachend). Das kann ich mir gut vorstellen. Es ist doch wohl ganz klar, dass uns unser Auftrag in den Sommermonaten bei Sonne, Wind und warmem Wasser genau soviel Spaß macht, wie auch allen anderen, die Ihren Beruf auf den Gewässern ausüben, ohne Ihre Pflichten zu vernachlässigen.
Selbst ein Angler knurrt bei so einem Wetter freundlicher, wenn er seinen Angelschein nach etwa zehn Jahren zwecks Kontrolle vorzeigen soll.
Der Wasserwandertourismus wird in der Region Ostholstein durch massive Werbung im Jahre 2005 zunehmen. Das ist auch dringend notwendig, um unser Gebiet wirtschaftlich voran zu bringen. Um dieses Ziel zu erreichen, ist es erforderlich, dass die verantwortlichen Behörden in enger Zusammenarbeit mit den Kontrollorganen (Polizei) und die wiederum mit den Vereinen und Verbänden bei dem zu erwartenden Tourismusaufkommen  sich den Aufgaben stellen.

Herr Oberkommissar Jens Friedrich, haben Sie recht herzlichen Dank dafür,
dass Sie sich so viel Zeit für uns genommen haben, die Ihnen gestellten Fragen so ausführlich zu beantworten.
Wir freuen uns auf eine weiterhin gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit in der kommenden Saison 2 0 0 5.


Auf das vom Umweltschutztrupp Plön gefällte Urteil über uns Segler können wir sehr stolz sein und es erfüllt uns mit Freude.
Wir alle haben dazu beigetragen.
Einen besonderen, persönlichen Dank und Anerkennung lasst mich bitte den Betreuern unserer Jugendgruppe aussprechen, die in all den
vorangegangenen Jahren es verstanden haben, denen ihnen anvertrauten Kindern den Umweltschutz nicht als Pflichtfach, sondern als das
NATÜRLICHSTE AUF DER WELT
zu vermitteln.

Wir sehen uns hoffentlich wieder beim Nikolaussegeln am 
5. Dezember 2004. Es freuen sich mit Euch darauf

Sebastian Kiel und Hans Vogler



Bericht und Foto: Hans Vogler - Pressebeauftragter des Plöner SeglerVereins e.V. -